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Konsum - Detailhandel

Wie viele Päckli erträgt die Schweiz? Online-Shopper bringen die Post ans Limit

epa06355787 Workers at the Amazon logistics and distribution center in Rheinberg, Germany, 28 November 2017. The Amazon logistics center is directly connected to a 'Deutsche Post' DHL shippi ...
Amazon plant seinen Markteintritt in der Schweiz.Bild: EPA/EPA

Wie viele Päckli erträgt die Schweiz? Online-Shopper bringen die Post ans Limit

Jahr für Jahr befördert die Schweizerische Post mehr Pakete. Allein aus Asien kommen täglich 45’000 Sendungen an. Bereits in zwei Jahren dürfte die Päckli-Flut die heutige Infrastruktur überfordern.
10.01.2018, 08:0410.01.2018, 08:25

Von der Jeans bis zum Haarföhn: Kaum ein Produkt, das heute nicht bequem im Internet bestellt werden kann. Online-Shopping hat sich in den letzten Jahren zu einer Art Volkssport gemausert – mit spürbaren Konsequenzen für die Schweizerische Post.

Vergangenes Jahr hat sie gegen 130 Millionen Pakete befördert – das sind rund 7 Prozent mehr als im Vorjahr. Insbesondere die Kleinsendungen aus China nehmen stark zu, wie die SRF-Sendung Eco berichtete. Im Schnitt kommt alle zwei Sekunden ein Päckli aus Asien in die Schweiz. Das macht 45’000 am Tag und 14 Millionen pro Jahr.

Die chinesische Online-Plattform Aliexpress hat den Umsatz in der Schweiz vergangenes Jahr auf 280 Millionen Franken verdoppelt, wie ein E-Commerce-Experte in der Wirtschaftssendung schätzte. Und bereits drängen weitere Player in die Schweiz. So will der weltgrösste Onlinehändler Amazon den hiesigen Markt erobern. Dank eines Zoll-Arrangements mit der Post sollen die Bestellungen innert 24 Stunden beim Kunden sein.

So sieht's im Amazon-Verteilzentrum aus

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So sieht's im Amazon-Verteilzentrum aus
Schon mal überlegt, wo dein Amazon-Päckli eingepackt wird?
quelle: epa/epa / friedemann vogel
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«Weil Onlinekunden ihre Pakete häufig am Tag nach der Bestellung erhalten möchten, ist in den letzten Jahren der Anteil der Priority-Pakete mit einer Zustellung am Folgetag überproportional gestiegen.»
Nathalie Dérobert Fellay, Post-Sprecherin

Dies entspricht offensichtlich einem Bedürfnis: «Weil Onlinekunden ihre Pakete häufig am Tag nach der Bestellung erhalten möchten, ist in den letzten Jahren der Anteil der Priority-Pakete mit einer Zustellung am Folgetag überproportional gestiegen», sagt Post-Sprecherin Nathalie Dérobert Fellay zu watson. Wurde vor 15 Jahren noch jedes fünfte Päckli im Turbo-Modus verschickt, ist es inzwischen schon mehr als die Hälfte.

Die Online-Shopping-Manie bringt die Post an ihre Grenzen. Zwischen 2014 und 2016 hat sie bereits rund 60 Millionen Franken in den Ausbau der drei Paketzentren in Daillens, Frauenfeld und Härkingen gesteckt. Dadurch kann dort nun ein Viertel mehr Pakete sortiert werden als davor. Doch auch so ist das Limit bald wieder erreicht.

Bereits in zwei Jahren wird es wohl nicht mehr möglich sein, die Päckli-Flut in den bestehenden Zentren zu bewältigen. «Da die Post weiterhin mit einem starken Wachstum im Onlinehandel rechnet, baut sie bis 2020 in Cadenazzo, Untervaz und Vétroz drei neue regionale Paketzentren für rund 150 Millionen Franken», so die Sprecherin.

Miet-Lieferwagen vor Weihnachten

Doch der Platz in den Sortierzentren ist nur eines von mehreren Problemen. Engpässe drohen auch personell und bei der Fahrzeugflotte. So muss die Post das Personal bereits heute zu Spitzenzeiten um bis zu 30 Prozent aufstocken und Lieferwagen von Autovermietern zumieten, um alle Pakete rechtzeitig liefern zu können.

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Seit 2004 ist der Paketmarkt in der Schweiz liberalisiert. Das heisst, neben der Post dürfen auch private Firmen Päckli ausliefern. Und das tun sie auch – immer neue Anbieter bieten ihre Dienste an. Den Mitbewerbern das Feld kampflos zu überlassen, kommt für die Post allerdings nicht infrage. Man nehme «jeden Konkurrenten ernst» und setze «alles daran, die Nummer 1 im Schweizer Markt zu bleiben», so Dérobert Fellay.

Ladekabel aus China für 80 Rappen – inklusive Versand. Wie geht das?

Video: watson/Lya Saxer
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51 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Scaros_2
10.01.2018 08:34registriert Juni 2015
Der Titel ist Falsch:

Wie viele Päckli erträgt die Schweiz?

Wohl eher wie viel die Post ohne signifikante änderung am system. Die Post könnte diese Chance nutzen weil der Trend klar nach oben zeigt und damit sich ein Geschäftsfeld massiv öffnet.

Ich sehe das Problem nicht.
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henkos
10.01.2018 08:17registriert August 2016
Ich verstehe das Problem nicht. Für die Post ist das doch ein Segen. Es ist ja nicht so, dass sie mit jedem weiteren Paket Geld verliert.
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Wilhelm Dingo
10.01.2018 08:20registriert Dezember 2014
Offenbar ist der Mehrwert der Zwishenhändler ehr gering (z.B. Qualitätskontrolle). Darum setzen immer mehr Leute auf Direkteinkauf ohne Zwischenhandel.
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